Im Test: Sonic Charge – Synplant

Anders als bei normalen Synthesizern, bei denen der Sound per Knopf und Regler eingestellt wird, wird beim Synplant der Sound durch genetische Manipulation am Erbgut einer Pflanze geändert. Wie bitte? Nein, so kompliziert ist es nicht. Während man traditionell damit beschäftigt ist, die perfekten Parameter bei Synthesizern zu finden, lassen sich hier per Maus und wenigen Klicks, von einem Sound ausgehend, zwölf Soundrichtungen erzeugen, deren Variation direkt eingestellt werden kann. Dadurch schafft man es, sich ganz auf das Erhören des richtigen Klanges zu konzentrieren.

Auf den ersten Blick sieht die Oberfläche vom Synplant sehr abstrakt aus. Vergeblich sucht man hier zunächst bekannte Bedienelemente. Aber eigentlich ist alles übersichtlich und vor allem sehr intuitiv. In der Mitte befindet sich die große, runde „Bulb“ (Glasglocke), das Herzstück vom Synplant.

In der Mitte der Bulb ist das Haupt Samenkorn (seed), Ringsherum wachsen für jeden Ton separate Äste (branches). Der Clou: das Samenkorn besitzt einen definierten Sound, der z.B. durch das Preset-Menu ausgewählt werden kann oder auch zufällig per Rechtsklick gesetzt werden kann. Von diesem Sound ausgehend kann nun in jedem der 12 Ton-Bereiche ein Ast gewachsen werden. Je weiter der Ast nach außen wächst (zum Glück nicht in Echtzeit…), desto mehr wird der Klang verändert. Und jeder Ast klingt anders: ein langer Ast bei „G“ klingt völlig anders als z.B. ein langer Ast bei „F#“. Hat man nun einen Klang gefunden, der einem gefällt, so klickt man in die Mitte auf das Saatkorn und schon wird der ausgewählte Sound als mutiertes Saatkorn dort eingepflanzt. Das klingt alles vielleicht sehr kompliziert, ist jedoch sehr einfach zu bedienen, wodurch es zum Herumspielen einlädt. Hat man einmal den falschen Klang erschaffen oder aus Versehen in den falschen Ast geklickt, so gibt es ein Undo/Redo System, das einem zur Seite steht.

Mod Wheel Ring

Über den gelb-gestrichelten „Mod Wheel Ring“ kann man das Modwheel eines externen MIDI-Gerätes (oder per Maus) alle Äste gleichzeitig wachsen lassen und so direkt beim Spielen den Klang ändern. Über den „Key Ring“, also den einzelnen Noten-Tasten, lässt sich der aktuelle Klang eines jeweiligen Astes leicht antesten. Das ist sehr hilfreich, da man so nicht in den Ast selbst klicken muss und ihn damit aus Versehen eventuell verstellt. Mit den vier großen Reglern neben der Bulb lassen sich die Klangeigenschaften noch zusätzlich anpassen, um z.B. mehr Atonalität oder eine längere Release-Zeit zu erhalten.

Im Hintergrund vom Synplant arbeitet ein durchdachter, vollwertiger Synthesizer. (Die genaue Funktionsweise ist in dem Handbuch skizziert.) Um dort genauere Einstellungen vorzunehmen, gibt es das Fenster „Manipulate Genes“ (siehe Bild), welches über den zweiten Knopf links oben erreicht werden kann. Hier darf man getrost Gentechniker spielen und den Sound nach Belieben an der DNA-Helix mit den 37 vorhandenen Genen anpassen. Doch Achtung: obwohl einige Parameter so ähnlich klingen wie bei herkömmlichen Synthesizern, sind sie teilweise recht komplex untereinander verbunden. Hier hilft ein Blick ins Handbuch, das jeden Parameter gut erklärt.

Soniccharge

Der Klang des Synplant ist sehr vielseitig. Es lassen sich Sounds erzeugen vom breiten Synthesizer-Pad, über E-Pianos, bis elektronischen Percussions-Instrumenten oder fetten Leads und Bässen. Das folgende Sound-Demo (mit freundlicher Genehmigung von M. Lidström / Sonic Charge) ermöglicht einen Eindruck von der Vielseitigkeit.

Soundbeispiel

Synplant